Celle. Der unübliche Ort und die Wetterlagen mögen der Grund sein, warum die traditionelle „Neujahrs-Matinee“ der Neuen Jazzinitiative Celle (NJIC) in diesem Jahr nicht so stark frequentiert war, wie es in den vorangegangenen Jahren der Fall war. An den „Ellingtones“ kann es nicht gelegen haben, wie an der Band. Zu viert in spezieller Besetzung angetreten, sorgten sie im Kulturcafé Kunst & Bühne am Sonntagvormittag für beste Laune und echten Musikgenuss. Vor allem die Sängerin Sonja Bittner zog mit ihrer Stimme – und ihrer in Gesten und Mimik sichtbaren Freude an der Musik – das Publikum schnell in ihren Bann.
Auch als charmante, völlig unprätentiöse Moderatorin überzeugte sie – und entlastete damit Bandleader Michael Cammann am Kontrabass. Ebenso als Glücksgriff erwies sich der, in letzter Minute für den erkrankten Simon Becker-Foss eingesprungene, Saxofonist Lars Stoermer, auch mit der Querflöte ein Könner. Helge Adam am Klavier machte das Quartett komplett. Ein bisschen Schützenhilfe an den Congas erhielt die Band später noch bei ein paar Latin-Stücken von dem offenbar liebend gerne dazustoßenden Schlagzeuger Mirko Galitz.
Mit einem musikalischen Gruß an den Namensgeber und Duke Ellingtons „I’m beginning to see the light“ gelang ein schwungvoller Einstieg. Ein zweiter Ellington-Song folgte mit „Do nothing till you hear from me“ … und dann der break in eine eigentlich ganz andere Musikwelt: Michael Jacksons R&B-Ballade „Why“ im subtil „eingejazzten“ Gewand – lyrisch mit dem Wechsel vom Saxofon zur Querflöte. Der neue Flow erhielt sogar ein „cool“, geraunt aus dem Publikum. Daran konnte „Black or White“ – ebenso gelungen – später anschließen.
Dazwischen eingebaut wieder ein Klassiker aus dem Blues-Repertoire: „It had to be You“ und wunderbar anschmiegsam. Und wieder ein Wechsel – in den aufregenden Hüftschwung eines Latin-Rhythmus mit „How Insensitive“ – alles sehr verführerisch. Nicht weniger verlockend, als es im Anschluss die zarte Swing-Version aus „Every Breath You Take“ von Sting (für The Police geschrieben) war. Mit dem flotten Drive des Jazzklassikers „Puttin‘ on the Ritz“ – auch verbal eine Herausforderung – ging der erste Teil des Konzerts zu Ende.
Die Ellingtones in dieser Besetzung überzeugten nicht nur als harmonische Band, sondern bewiesen auch einzeln als Solisten, wie gut sie ihr Instrument beherrschten – von der Stimme bis zum Bass. Die Arrangements sowie die Verteilung der ungewöhnlich langen Soli in diesem Quartett gaben viel Raum für jeden Einzelnen, sich und seine Interpretation samt der vielen reizvollen Variationen einzubringen und auszuspielen.
Eine gute Chance auch für das Publikum, pur und mehr über die Möglichkeiten der Instrumente in der Praxis zu erfahren. Ein freies Fabulieren, ohne den Faden zu verlieren, und sich immer wieder harmonisch und souverän zusammenzufinden. Nach der Pause erwartete die Zuhörer ein ebenso gelungener Mix aus Jazz-Standards und gewagten „Crossovergriffen“: Von Duke Ellingtons „It Don’t Mean a Thing“, zu Johnny Nashs Reggae-Pop „I Can See Clearly Now“, von „Nur ein Wort“ der deutschen Pop-Rock-Band „Wir sind Helden“ und Peter Fox mit „Haus am See“ und „Hallelujah, I love him so“ von Peggy Lee bis zu „Come Fly with Me“ (für Frank Sinatra geschrieben). Die Ellingtones hielten eine musikalische Wundertüte für das Publikum bereit – stets und konsequent in ihrem eigenen Sound.
Als erklärte Jazzband gibt es die „Ellingtones“ aus Hannover bereits seit über 20 Jahren. Sie tritt in mehreren Besetzungsvarianten auf. Auch wenn mit der Namenswahl eine gewisse Hommage verbunden ist und die Band stets ein paar Klassiker des großen Jazzmusikers Duke Ellington auf der Setliste hat, ist sie keine herkömmliche Tribute- oder Revival-Band, sondern schöpft aus einem breiten Angebot aus allen Genres ihre Ideen zu ihren Arrangements.
