Celle. Es ist schon eine Herausforderung, sich an einen Hit-schweren Komponisten und seine Lieder zu wagen und daraus dann die eigene Art von Jazz-Arrangements zu machen, ohne das Ursprüngliche aus den Augen beziehungsweise Ohren zu verlieren. Das Gabriela-Koch-Trio hat sich getraut und dafür die amerikanische Musik-Ikone Burt Bacharach erkoren. Am Freitagabend begeisterten die drei Künstler das Publikum in Kunst & Bühne mit ihren verspielt-ausgeloteten Versionen des preisgekrönten Komponisten.
Wem der Name Bacharach zunächst nichts sagt, der hakt bei Songs wie „Raindrops keep falling on my head“ oder „I never fall in love again“ sicher ein. Der Meister der „sanft arrangierten Popmusik“, damals von Kritikern als „Easy Listening“ verschrien, gehörte ab 1957 zu den erfolgreichsten Komponisten der USA. Rund 130 seiner Werke erreichten die Single-Charts in seiner Heimat.
Ein Großteil seiner Lieder – in denen es weitgehend um die Liebe in all ihren Facetten geht - entstand in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Texter Hal David und im Anschluss daran mit Carole Bayer Sager. Besonders erfolgreich waren die in den 1960er und 1970er Jahren verfassten Songs für Dionne Warwick. Auch berühmte Soundtracks für Filme stehen auf seinem Konto. Für seine Leistungen erhielt Bacharach alle wichtigen Preise der Entertainmentindustrie, darunter mehrere Grammys, Golden Globes und Oscars.
Smoothe Popsongs mit einer wohlproportionierten Beimengung von Bossa Nova, Gospel und Rythm and Blues – und nun auch noch softer Jazz aus Gesang plus etwas Querflöte (Gabriela Koch), Kontrabass (Peter Schwebs) und Klavier (Achim Kück), die bewiesen, wie gut das zusammengeht.
Ein Konzert, das, was das Können der einzelnen Musiker und deren Zusammenspiel keine Zweifel aufkommen lässt – und dennoch mit einigen Abstrichen. Vor allem die deutliche Dominanz des Pianos (die Lautstärke betreffend) schmälerte den Genuss eines aufeinander eingespielten Trios, das damit einiges an runder Harmonie eingebüßt hat.
Als Profi ließ sich die Sängerin Gabriela Koch nicht dazu verleiten, dagegen anzusingen, kam dafür aber oft etwas überdeckt und flach im Zuhörerraum an. Wie leicht und fließend, ja filigran in ihrer Zartheit die Sängerin sich entfalten kann, bewies sie in der Ballade „A house is not a home“ im Solopart.
Solistisch waren auch Peter Schwebs und Achim Kück großartig. Letzterer in der Länge seiner Interpretationen und Variationen mit ausgeprägten Läufen vielleicht etwas zu ausufernd. Da verliert sich leicht der Anschluss zur ursprünglichen Melodie.
Insgesamt mutet der Jazzstil des Trios wie eine modern interpretierte und adaptierte Anlehnung an die Formen des Barocks mit seiner Vorliebe für Ausschmückungen und Verzierungen – in seinem Variantenreichtum prachtvoller Fabulierungen. Zweifelsohne ein interessantes Konzert.
