Fr, 05.06.2026

Konzert mit der Gruppe "Velvet"

Trio Velvet begeistert mit Sängerin Greta Gröning

Jazzgesang-Studentin springt kurzfristig ein – Publikum fordert mehrere Zugaben

Celle. Erwachende Natur und Frühlingsgefühle – das verbindet das Streben energiegeladenen Wachsens mit dem Gefühl zarten Herantastens bis zur leidenschaftlichen Entfaltung. Kaum hätte sich ein Programmtitel passender für ein Konzert zeigen können als „You Must Believe in Spring“ des Jazz-Trios Velvet. Frisch, klar, mit vielen feinabgestimmten klanglichen Nuancen und einem besonderen Gefühl für Improvisation und Interpretation – das galt an diesem Abend bei Kunst & Bühne in Celle nicht nur für den Musikstil, für den Velvet in üblicher Besetzung steht.

Lars Stoermer (Saxofon, Bassklarinette und Querflöte) und Eike Wulfmeier (Piano) mussten kurzfristig einen Ersatz für Anja Ritterbusch, die Dritte im Bunde, aufstellen und holten die junge Sängerin Greta Gröning ins Boot. Ein Talent, das sich – im übertragenen Sinn – im Laufe des Konzerts prachtvoll entfaltete und das Publikum begeisterte. Gröning studiert an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover aktuell Jazzgesang im Studiengang Jazz und jazzverwandte Musik.

Noch etwas scheu wirkte Greta Gröning im ersten Song „Double Rainbow“. In der sehr ruhigen Ballade „How Deep Is the Ocean?“ machte ihre Version mit einer durchweg fast gehauchten Stimme neugierig. Mit dem Swing „They Say that’s Spring“ und ihrem geschickt modulierten Storytelling „… when I was a little girl …“ kam subtile Gelassenheit in ihre Präsentation.

Als sie in „You Must Believe in Spring“ (auch der Titel des 2023 aufgenommenen Albums von Velvet), nach dem Saxofon-Solo-Intro von Stoermer, den Faden mit ihrem Gesang aufnahm – getragen von der bedachten Klavierbegleitung durch Wulfmeier –, war klar: Hier wächst etwas zusammen und erblüht: „You must believe in Spring … and love!“

Das Brennen der drei auf der Bühne für ihre Art von Musik war deutlich. Die vertraute Harmonie der beiden Instrumentalisten – diese sehr pure, intuitive und doch klar definierte Interpretationsfülle – fand die passende Korrespondenz in der jungen Sängerin. Harmonie wuchs mit dem gewährten Zutrauen und zunehmender Sicherheit. „You Stepped Out of a Dream“ – ein unterschwelliger Latin-Rhythmus, ein beachtliches Piano-Solo zu Beginn und der Dialog zwischen Querflöte und Stimme – war ein weiterer Schritt.

„Jeder kennt das, wenn sich die Gedanken im Kopf überschlagen, rotieren“, erklärte Stoermer in seiner Anmoderation zu „The Windmills of Your Mind“. Velvets Version begann geräuschmalerisch mit dem Saxofon und verhaltenem Piano, nahm mit dem Einsatz von Gröning immer mehr Fahrt auf – Drama, wilde Wirbel, laut und schräg, bis sich der Sturm legt.

Die zweite Hälfte war vom ersten Stück an mitreißend und beeindruckend. „She’s Everything on Earth to Me“, „I´m in the Mood for Love“, … die Titel reflektierten die Musik und füllten sie mit Leben. Dem Jazz-Trio auf der Bühne gelang virtuos die spielerische Umsetzung von Gefühlen in Musik, Klangmalerei und Sprache. In „Like a Gentle Rain“ konnte man das Tropfen von den Blättern nicht nur hören, sondern nachempfinden.

Ob lebenslustiger Swing oder sehnsuchtsvoller Blues – der Spaß und die Motivation der Drei, gemeinsam Musik zu machen, entwickelte einen Sog, der auch die Zuhörer mitriss. Der A-cappella-Gesang von Greta Grönings offiziell letztem Song „Don’t Cry, There Will Be Another Spring“ bewies eindrucksvoll, wie sie sich freigeschwommen hatte. Das begeisterte Publikum ließ das Trio erst nach mehreren Zugaben von der Bühne.


Quellenangabe: Cellesche Zeitung vom 09.06.2026, Seite 16

 

 

 

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