Celle. „Noch einmal Duke Ellington“ hat Wolfgang Heidenreich seine diesjährigen „Jazzgeschichten“ überschrieben. Der Grund? Ganz einfach, es gibt so viel zu erzählen, über den einflussreichsten amerikanischen Jazzmusiker seiner Zeit und dessen Werk mit zahlreichen Strömungen und Fortentwicklungen. Selbst als die Popularität von Swing abnahm, fand Ellington neue Formen, Anknüpfungen und Sidemen, die seinen Erfolg festigten.
In seinem Spätwerk komponierte er häufig in längeren Formen, orientiert an klassischer Musik. „Auch wenn die Zahl von rund 2000 Kompositionen etwas zu hoch gegriffen sein sollte, ist sein Vermächtnis es sicherlich wert, sich ein weiteres Mal mit seiner Musik und seinem Leben zu beschäftigen“, so Heidenreich.
Eine Fortsetzung im Thema der Jazzgeschichten im vergangenen Jahr, aber an einem ungewohnten Veranstaltungsort, erwartete die Besucher der informativen Konzertserie. Wegen andauernder Umbaumaßnahmen des Celler Kreistagsaals ging es dieses Mal mit Band, Beamer und Leinwand in den Beckmannsaal.
Seit 23 Jahren freuen sich Fans von Jazz- und Musikgeschichte über die musikalisch unterstrichenen Vorträge von Wolfgang Heidenreich. Und die Musik bietet hier nicht nur Gesprächsstoff, sondern spielt auch, umgesetzt in dieser Traditionsmatinee, eine wichtige Rolle: Beispiele live zum Hin- und Mithören, und zum Genießen.
Für den Genuss sorgten die Musiker der Blues Serenaders vom ersten Begrüßungsblues „That Ain’t Right“ an. Das lag nicht nur an den Kompositionen, sondern auch an dem offensichtlichen Spaß am gemeinsamen Musizieren und der spürbaren Harmonie der Band. Sechs gestandene Musiker, die – jeder souverän an seinem Instrument und mit einfühlsamen Soli – dem Publikum mal einheizten oder es zum smoothen Grooven brachten.
Leider mussten Wolfgang Heidenreich (Trompete), Claus Cordemann (Klarinette/Saxofon), Klaus Heidenreich (Posaune), Rainer Haase (Klavier), Heinrich Römisch (Kontrabass) und Hermann Heidenreich (Schlagzeug) dieses Mal ohne Sängerin auskommen. Svénja Diocles fiel kurzfristig wegen Erkrankung aus. Die Herren sorgten dann eben rein instrumental für ein höchst erbauliches Konzert – und schickten ihr zum Schluss noch einen musikalischen Gruß.
Jede Menge Duke Ellington in Ton, Bild und Lebensgeschichten. Edward Kennedy „Duke“ Ellington, am 29. April 1899 in Washington geboren, war nicht nur einer der wichtigsten Komponisten und Arrangeure seiner Zeit, er war auch ein hervorragender Pianist und einer der wichtigsten Neuerer des Stride-Pianos. Als Bandleader trug er zur Ausprägung des Swing als Big-Band-Stil bei. Seinen Spitznamen „Duke“ erhielt er bereits von seinen Schulkameraden wegen seiner vornehmen Ausstrahlung und seiner geschliffenen Manieren.
Mit 17 begann seine professionelle Karriere als Musiker, baute seinen Ruf anfangs der 1920er Jahre auf und aus – sowohl als Pianist, als auch als Bandleader. Mit 24 zog er mit einer Gruppe Musiker aus Washington nach New York und gründete dort die Band The Washingtonians, spielte Tanzmusik und tourte durch die Clubs.
Als King Oliver den bekannten Cotton Club verließ, wurde Ellington der Job als Hausband im damals renommiertesten Nachtclub New Yorks angeboten. Auch durch die zahlreichen Radioübertragungen von dort wuchs der Bekanntheitsgrad der Band und ihres spezifischen „Jungle-Sounds“.
Wolfgang Heidenreich ließ Geschichten über Auftritte, Wegbegleiter, besondere Musiker in Ellingtons Band lebendig werden und verband Teilstücke zu einem neugierig machenden Ganzen.
