Sülze. In erster Linie natürlich die Musik, aber auch das perfekte Wetter haben am Sonntag zahlreiche Besucher zum „Muttertagsjazz“ in den Kaffeegarten nach Sülze gelockt. Eine Veranstaltung mit Tradition, die erst seit einigen Jahren im Freien, vor dem ehemaligen Gradierwerk für Salzgewinnung, stattfindet. Ziemlich neu ist auch die aktuelle Zusammensetzung der Savannah Jazzband – ebenfalls eine „Institution“, die wiederbelebt wurde und schon bei der adventlichen Oldtime-Jazz-Session der Neuen Jazzinitiative Celle in Kunst & Bühne das Publikum begeistert hat.

Lothar Krist (Saxofon und Klarinette), Frank Helms (Bass), Uli Petersen (Posaune), Per Graner (Banjo und Gesang) und Manfred „Kaffi“ Kaufmann (Drums) unter der Moderation und Leitung von Eckart Ditting (Trompete) sorgen vom ersten Stück an für mitreißende Musik in bester „New Orleans Manier“. Oder besser gesagt: Mit dem Jazz, den die Musiker in den verrauchten Clubs und Bars von Chicago und anderen Großstädten der USA (und später auch in Europa) anfangs des letzten Jahrhunderts gespielt haben. Oldtime-Jazz vom Feinsten.

Der Mix von Swing und Blues kam nicht nur gut an, er inspirierte da und dort sogar zu ein paar Tanzschritten. Dem flotten Banjo-Rhythmus konnte sich kaum einer entziehen – und der schmelzende Blues lud zum Seele-baumeln-lassen und zum Schwofen ein. „Wir haben früher dazu ‚Engtanz‘ gesagt“, witzelte Eckart Ditting. Da und dort mischte sich außerdem etwas „Latin“ hinein – Samba, Bossa – später sogar etwas Cha-Cha-Cha in der Adderly-Hommage für Emma Barrett. Alles in allem ein vielseitiges Repertoire mit zwei Pausen, das durchaus mehr bot als bloße Hintergrundunterhaltung – ein Konzert, von dem sich viele der Gäste ein „mehr davon und öfter“ wünschten.

„Wie in der Musik generell spielt in den Stücken, die wir spielen, die Liebe, in all ihren Phasen und Facetten, eine wichtige Rolle“, moderierte Ditting – und stieg gleich mit dem Ende ein: „Bitte rede nicht über mich, wenn ich gegangen bin.“ Von den ersten Schmetterlingen im Bauch über das Schwärmen „Ain’t She Sweet“, das gemeinsame Glück „Am Sonntag will mein Süßer mit mir baden gehen“, den Ärger in der Partnerschaft mit diesen „naughty Sweeties“ bis zum bitteren Ende. Und dazwischen natürlich auch die Liebe und die Sehnsucht nach dem Zuhause, der Heimat – alles hat Eingang in diese Musik gefunden – und einen Platz in der Setliste des Savannah Jazzband.

Als wäre all dieses Baden in Zuneigung, Sehnsucht und Neubeginn nicht genug, hatte die Band noch einen guten musikalischen Rat bereit: „Lächle, dann lächelt die Welt mit dir“ und wenn das nicht hilft, dann greif zu „Doktor Jazz“.

 

Bericht Cellesche Zeitung vom 13.05.2026